Nützliche Informationen für die Brüder Van der Linden

July 24, 2019
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Dirk und Johan van der Linden sind Brüder und halten 200 Milchkühe im Süden der Niederlande. Seit Anfang des letzten Jahres nehmen sie am OPTIfarmer-Projekt teil, einer Zusammenarbeit der niederländischen Vereinigung der Landwirte und Gärtner ZLTO, dem Agrartechnologieunternehmen Connecterra und Agrovision, einem Anbieter von Software für den internationalen Agrarsektor.

Ziel dieses Innovationsprojekts ist es, Landwirte zu beraten, wie sie ihren Betrieb optimieren können, und an der Erreichung der individuellen Ziele jedes Landwirts zu arbeiten, beispielsweise die Verkürzung des Kalbungsintervalls. Das Projekt OPTIfarmer startete im ersten Quartal 2018 mit sieben Landwirten. Eineinhalb Jahre später wurden für eine ganze Gruppe von Teilnehmern große Fortschritte erzielt. Auch die Brüder van der Linden erkennen die Vorteile der Datennutzung zur Verbesserung ihres täglichen Milchbetriebs.

Maßnahmen bei Veränderungen im Wiederkäuverhalten

Die im Rahmen des Projekts verwendeten Sensoren wurden von Connecterra gestellt. Das entwickelte System mit Namen „Ida“ erkennt unterschiedliche Verhaltensweisen von Kühen wie Fressen, Wiederkäuen, Laufen, Liegen und Stehen. „Das Wiederkäuen wird als Erstes eingestellt, wenn eine Kuh krank ist. Je früher wir die ersten Anzeichen erkennen, desto besser“, erklärt Johan van der Linden. Der Sensor liefert dem Landwirt Informationen und warnt ihn in diesem Fall, dass bei einer Kuh ein unnormales Wiederkäuverhalten vorliegt. Ida stellt genaue, schnelle und relevante Daten bereit, sodass der Landwirt schnell (innerhalb von zwei Tagen) handeln kann, bevor sich die klinischen Symptome der Krankheit äußern. So beugen Landwirten Erkrankungen ihrer Tiere vor und vermeiden finanzielle Probleme. Die Brüder van der Linden sind beeindruckt, wie schnell die Sensoren Anomalien in der Kuhherde schon dann erkennen, wenn die Tiere augenscheinlich noch völlig gesund wirken. „Da es sich bei Ida um ein selbstlernendes System handelt, braucht es auch Feedback von uns. Sobald Ida ungewöhnliches Verhalten erkennt, müssen wir die Kuh näher untersuchen und in das System eingeben, wo das Problem lag und wie wir sie diagnostiziert und behandelt haben. Auf diese Weise lernt das System, Problem mit noch größerer Genauigkeit zu erkennen“, berichtet Johan van der Linden.

Verringerung des Alters der ersten Kalbung

Neben der Überwachung der Gesundheit der Herde wird Ida auch zur Verringerung des Alters der ersten Kalbung eingesetzt. Für eine maximale Rentabilität über die Lebensdauer hinweg sollte die erste Kalbung idealerweise nach 22 bis 23 Monaten erfolgen. Seit sie am OPTIfarmer-Projekt teilnehmen und mit den Daten von Ida arbeiten konnten die Brüder van der Linden das erwartete Kalbungsalter der Färsen um einen Monat von 24 auf 23 Monate senken. Das ist eine erhebliche Verbesserung, die sich direkt auf die Produktivität und Anlagenrendite des Hofs niederschlägt. Auch bei der Brunsterkennung wurden Verbesserungen erzielt. Die effiziente und rentable Reproduktion einer Milchkuhherde erfordert die routinemäßige aber dennoch gewissenhafte Wärmeerkennung und das richtige Timing für die künstliche Befruchtung. Die Brunsterkennung erfolgt häufig manuell. Durch den Einsatz von Sensoren kann jedoch sichergestellt werden, dass keine Brunstzeit verpasst wird. Auf dem Milchhof der van der Lindens ist dies besonders nützlich, da die Färsen nicht in derselben Scheune untergebracht sind wie die Milchkühe. Dies erschwert die Erkennung, wann einzelne Färsen brünstig sind und wo genau sie sich befinden. Der Milchbauer kann dank des Systems viel Zeit einsparen. „Da Färsen und ältere Kühe bei uns getrennt gehalten werden, ist Ida für uns eine große Hilfe. Es zeigt uns an, welche Tiere brünstig sind und wo sie sich befinden. So sparen wir viel Zeit“, betont Johan van der Linden.

Ida: eine Hilfe für Landwirte

„Ida vereint Sensortechnologie mit maschinellem Lernen und der kontinuierlichen Datenanalyse in der Cloud. Es nutzt fortschrittliche Technologie wie künstliche Intelligenz“, erläutert Leonie Gorter von Connecterra. In der ersten Woche nach der Implementierung der Sensoren nutzt das Ida-System die Analyse der Kuhbewegungen, um Muster in der Herde festzustellen und abweichendes Verhalten von Kühen zu melden. Es handelt sich um ein selbstlernendes System, das auf maschinellem Lernen und Feedback vom Milchbauern basiert. Das System lernt, welches Verhalten normal, abweichend und durchschnittlich ist. Wenn sich das Verhalten von Kühen ändert, gibt der Milchbauer im System an, ob tatsächlich ein Problem vorlag und welche Kuh/Kühe betroffen waren, beispielsweise von Lahmheit, Metritis, Milchfieber, Mastitis oder verlagertem Labmagen. Ida lernt, was sich auf dem Hof abspielt, und das System hilft dem Landwirt, die Hofeffizienz zu erhöhen.